In Memoriam Professorin Dr. Inge Mager 11.12.1940 (Honigfelde) – 16.11.2025 (Hamburg)
Ehrenmitglied im Beirat der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte
Im Jahr 1966 legte Inge Mager ihre Erste Theologische Prüfung ab und wurde anschließend von der Landeskirche Hannovers für wissenschaftliches Arbeiten freigestellt, woraus ein „Dauerzustand“ wurde, wie sie es nannte. Wir wissen das aus einer Selbstvorstellung von Inge Mager in der Christuskirche Eimsbüttel aus dem September 2016.
In der Abteilung für Niedersächsische Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät in Göttingen widmete sie sich fortan der Herausgabe der Werke von Georg Calixt. Mit dieser mehrbändigen Edition sollte der wissenschaftliche Ruf von Inge Mager eine feste Grundlage erhalten, auf der sie weitere herausragende wissenschaftliche Leistungen aufbauen konnte.
Es folgten die Promotion[1], die Zweite Theologische Prüfung – ohne je ein Vikariat absolviert zu haben – und im Jahr 1986 die Habilitation über die Konkordienformel im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel.[2] Im Jahr darauf übernahm sie als Nachfolgerin ihres Doktorvaters, Prof. Dr. Hans-Walter Krumwiede, die Professur für niedersächsische Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen.
In ihren Göttinger Vorlesungen stand sie nicht am Pult, sondern saß am Tisch und hatte das ausgedruckte Manuskript vor sich liegen. Sie redete nicht frei, keinen einzigen Satz, sondern las jedes Wort vor, das sie akribisch recherchiert und niedergeschrieben hatte. Das entsprach ihrem ganzen Arbeitsstil: Die Quellen genau analysieren und dann zu verlässlichen Aussagen kommen. Tiefgründig und gewissenhaft.
Mit den Professorinnen Anneliese Sprengler-Ruppenthal und Hannelore Erhart war sie die dritte Frau, die an der Theologischen Fakultät in Göttingen eine Professur erhielt. Beruf und Familie miteinander zu verbinden, sei für sie viel einfacher gewesen als den Widerständen zu begegnen, die gegen sie als Frau im theologischen Lehramt gerichtet waren, wie sie in einem späteren Gespräch einräumte.
1990 wurde Professorin Inge Mager in der Göttinger Universitätskirche ordiniert. Sie hatte einen weiten Weg zurückgelegt: Nach der Flucht ihrer Familie aus Honigfelde im ehemaligen westpreußischen Landkreis Stuhm (dem heutigen Trzciano) und der Ankunft in Niedersachsen, Schule in Hiddingen[3] sowie Studium in Berlin, Tübingen und Göttingen, war sie nun die Mutter von drei Söhnen, übte ihren Beruf als Professorin aus und wurde zur ehrenamtlichen Pastorin der hannoverschen Landeskirche ordiniert.
Durch ihre Forschungen hat sie insbesondere dazu beigetragen, dass Frauen in der Kirchengeschichte zunehmend gewürdigt wurden. Sie hat ihren forschenden Blick auf das Leben von Frauen im Kloster gelenkt, hat die Ehefrauen der Reformatoren hervorgehoben und nicht zuletzt durch ihren eigenen Weg ein Beispiel gegeben für eine tapfere Beharrlichkeit, die sich auch von Widerständen nicht abhalten lässt.
1993 wechselte Professorin Inge Mager auf den Lehrstuhl für Kirchen- und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Hamburg. 2003 wurde sie emeritiert und lebte in ihrem Ruhestand weiterhin in Hamburg. Die Theologische Fakultät der Universität Hamburg würdigte die Verstorbene mit einer Ansprache während der Trauerfeier in der Universitätskirche St. Katharinen an ihrem 85. Geburtstag, dem 11. Dezember 2025, sowie durch einen ausführlichen Nachruf auf der Website der Universität.[4]
Ihre erste Veröffentlichung im Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte fiel ins Jahr 1971.[5] Mehr als ein halbes Jahrhundert blieb sie dieser Gesellschaft verbunden. Über viele Jahre war sie die herausgebende Schriftführerin und hat durch ihre gewissenhafte Redaktion das Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte (JGNKG) und die Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens (SKGNS) zu den renommierten Editionsreihen gemacht, als die sie heute angesehen werden. Als sie ihr Ehrenamt als Schriftführerin an Prof. Dr. Hans Otte abgegeben hat, wurde sie zum Ehrenmitglied des Beirates der Gesellschaft ernannt.
Vorstand und Beirat der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte haben Professorin Dr. Inge Mager viel zu danken. Wir vertrauen sie der Liebe Gottes an, deren oftmals menschlich vermischte Spuren in der Kirchengeschichte sie historisch erforscht und gelehrt hat.
[1] Vgl. Inge Mager: Georg Calixts theologische Ethik und ihre Nachwirkungen. Göttingen: V&R 1969 (SKGNS 19).
[2] Vgl. Dies.: Die Konkordienformel im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Entstehungsbeitrag, Rezeption, Geltung. Göttingen: V&R 1993 (SKGNS 33).
[3] Vgl. Dies.: Hiddinger Schulgeschichte 1780-1969. PD-Verlag 2019 (Rotenburger Schriften 36).
[4] Vgl. Johann Anselm Steiger: Nachruf auf Univ.-Prof. Dr. Inge Mager. In: https://www.theologie.uni-hamburg.de/fachbereich/aktuelles/2025/20251116-nachruf-mager.html (Stand: 26.07.2026).
[5] Vgl. Inge Mager: Theologische Promotionen an der Universität Helmstedt im ersten Jahrhundert des Bestehens. In: JGNKG 69 (1971) 83-102.
Apl. Prof. Dr. Thomas Kück
Superintendent a. D.
1. Vorsitzender
Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Thomas Kaufmann
Abt zu Bursfelde
2. Vorsitzender
Ehrenmitglied im Beirat der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte
Im Jahr 1966 legte Inge Mager ihre Erste Theologische Prüfung ab und wurde anschließend von der Landeskirche Hannovers für wissenschaftliches Arbeiten freigestellt, woraus ein „Dauerzustand“ wurde, wie sie es nannte. Wir wissen das aus einer Selbstvorstellung von Inge Mager in der Christuskirche Eimsbüttel aus dem September 2016.
In der Abteilung für Niedersächsische Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät in Göttingen widmete sie sich fortan der Herausgabe der Werke von Georg Calixt. Mit dieser mehrbändigen Edition sollte der wissenschaftliche Ruf von Inge Mager eine feste Grundlage erhalten, auf der sie weitere herausragende wissenschaftliche Leistungen aufbauen konnte.
Es folgten die Promotion[1], die Zweite Theologische Prüfung – ohne je ein Vikariat absolviert zu haben – und im Jahr 1986 die Habilitation über die Konkordienformel im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel.[2] Im Jahr darauf übernahm sie als Nachfolgerin ihres Doktorvaters, Prof. Dr. Hans-Walter Krumwiede, die Professur für niedersächsische Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen.
In ihren Göttinger Vorlesungen stand sie nicht am Pult, sondern saß am Tisch und hatte das ausgedruckte Manuskript vor sich liegen. Sie redete nicht frei, keinen einzigen Satz, sondern las jedes Wort vor, das sie akribisch recherchiert und niedergeschrieben hatte. Das entsprach ihrem ganzen Arbeitsstil: Die Quellen genau analysieren und dann zu verlässlichen Aussagen kommen. Tiefgründig und gewissenhaft.
Mit den Professorinnen Anneliese Sprengler-Ruppenthal und Hannelore Erhart war sie die dritte Frau, die an der Theologischen Fakultät in Göttingen eine Professur erhielt. Beruf und Familie miteinander zu verbinden, sei für sie viel einfacher gewesen als den Widerständen zu begegnen, die gegen sie als Frau im theologischen Lehramt gerichtet waren, wie sie in einem späteren Gespräch einräumte.
1990 wurde Professorin Inge Mager in der Göttinger Universitätskirche ordiniert. Sie hatte einen weiten Weg zurückgelegt: Nach der Flucht ihrer Familie aus Honigfelde im ehemaligen westpreußischen Landkreis Stuhm (dem heutigen Trzciano) und der Ankunft in Niedersachsen, Schule in Hiddingen[3] sowie Studium in Berlin, Tübingen und Göttingen, war sie nun die Mutter von drei Söhnen, übte ihren Beruf als Professorin aus und wurde zur ehrenamtlichen Pastorin der hannoverschen Landeskirche ordiniert.
Durch ihre Forschungen hat sie insbesondere dazu beigetragen, dass Frauen in der Kirchengeschichte zunehmend gewürdigt wurden. Sie hat ihren forschenden Blick auf das Leben von Frauen im Kloster gelenkt, hat die Ehefrauen der Reformatoren hervorgehoben und nicht zuletzt durch ihren eigenen Weg ein Beispiel gegeben für eine tapfere Beharrlichkeit, die sich auch von Widerständen nicht abhalten lässt.
1993 wechselte Professorin Inge Mager auf den Lehrstuhl für Kirchen- und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Hamburg. 2003 wurde sie emeritiert und lebte in ihrem Ruhestand weiterhin in Hamburg. Die Theologische Fakultät der Universität Hamburg würdigte die Verstorbene mit einer Ansprache während der Trauerfeier in der Universitätskirche St. Katharinen an ihrem 85. Geburtstag, dem 11. Dezember 2025, sowie durch einen ausführlichen Nachruf auf der Website der Universität.[4]
Ihre erste Veröffentlichung im Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte fiel ins Jahr 1971.[5] Mehr als ein halbes Jahrhundert blieb sie dieser Gesellschaft verbunden. Über viele Jahre war sie die herausgebende Schriftführerin und hat durch ihre gewissenhafte Redaktion das Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte (JGNKG) und die Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens (SKGNS) zu den renommierten Editionsreihen gemacht, als die sie heute angesehen werden. Als sie ihr Ehrenamt als Schriftführerin an Prof. Dr. Hans Otte abgegeben hat, wurde sie zum Ehrenmitglied des Beirates der Gesellschaft ernannt.
Vorstand und Beirat der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte haben Professorin Dr. Inge Mager viel zu danken. Wir vertrauen sie der Liebe Gottes an, deren oftmals menschlich vermischte Spuren in der Kirchengeschichte sie historisch erforscht und gelehrt hat.
[1] Vgl. Inge Mager: Georg Calixts theologische Ethik und ihre Nachwirkungen. Göttingen: V&R 1969 (SKGNS 19).
[2] Vgl. Dies.: Die Konkordienformel im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Entstehungsbeitrag, Rezeption, Geltung. Göttingen: V&R 1993 (SKGNS 33).
[3] Vgl. Dies.: Hiddinger Schulgeschichte 1780-1969. PD-Verlag 2019 (Rotenburger Schriften 36).
[4] Vgl. Johann Anselm Steiger: Nachruf auf Univ.-Prof. Dr. Inge Mager. In: https://www.theologie.uni-hamburg.de/fachbereich/aktuelles/2025/20251116-nachruf-mager.html (Stand: 26.07.2026).
[5] Vgl. Inge Mager: Theologische Promotionen an der Universität Helmstedt im ersten Jahrhundert des Bestehens. In: JGNKG 69 (1971) 83-102.
Apl. Prof. Dr. Thomas Kück
Superintendent a. D.
1. Vorsitzender
Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Thomas Kaufmann
Abt zu Bursfelde
2. Vorsitzender